Notar
Dr. Christian Pelz LLM
in Krefeld-Uerdingen

Verzeichnis: unternehmen
Datei: ltd.php

Limited und ähnliche Unternehmensformen

  1. Allgemeines
  2. Vor- und Nachteile
  3. Tätigkeit des Notars

1. Allgemeines

Um in Deutschland unternehmerisch tätig zu sein und nicht für alle Verbindlichkeiten persönlich zu haften, benötigt man eine Rechtsform mit Haftungsbeschränkung. Dies ist nach deutschem Recht normalerweise die GmbH, neuerdings auch in der Variation der "Unternehmergesellschaft". Allerdings ist es prinzipiell auch möglich, mit einer ausländischen Gesellschaft in Deutschland tätig zu sein. Dass Gesellschaften, die im Ausland ihren Sitz und ihr Hauptätigkeitsgebiet haben, auch in Deutschland tätig sind, ist ganz normal. Mittlerweile wird jedoch auch angeboten, dass eine Auslandsgesellschaft (fast) ausschließlich in Deutschland tätig ist, obwohl sie ihren offiziellen Sitz im Ausland hat. Diese Konstruktion war lange Zeit umtstritten und wurde von der Rechtsprechung nicht anerkannt. Aufgrund des EU-Rechtes ist mittlerweile aber klar, dass die Konstruktion zulässig ist.

Am verbreitetsten ist in dieser Konstruktion vermutlich die englische "Private Limited Company" oder auch kurz "Ltd." Gerade im Internet finden sich viele Anbieter, die die Gesellschaftsgründung innerhalb von Stunden zu geringen Kosten versprechen. Im Prinzip ist natürlich auch jede andere ausländische Gesellschaftsform zulässig, z.B. Gesellschaften aus den USA, von den Seychellen oder sonstigen Ländern.

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2. Vor- und Nachteile

Als Vorteile einer Limited werden oft die geringen Kosten und der geringe Zeitaufwand gepriesen. Für die Gründung mögen diese Vorteile zutreffen. Ob allerdings die Kosten dauerhaft niedriger sind als bei einer deutschen Gesellschaft, muss wohl bezweifelt werden. Denn die Gesellschaft lebt dauerhaft nach zwei verschiedenen Rechtsordnungen: dem deutschen Recht, nach dem sie ihre Geschäfte macht, und dem Herkunftsrecht, z.B. englischen Recht, nach dem sich ihre rechtliche Struktur richtet. Es müssen daher immer die Vorschriften aus beiden Rechtsordnungen beachtet werden. Dies gilt auch für den Jahresabschluss und das Steuerrecht, so dass ggf. zwei Jahresabschlüsse zu erstellen sind und zwei Steuererklärungen abzugeben sind. Auch bezüglich der Haftungsbeschränkung müssen, insbesondere in einer Krise, zwei Rechtsordnungen beachtet werden. Die Kosten für rechtliche Beratung können sich hier also schnell verdoppeln.

Entscheidendes Kriterium für die Konstruktion ist aus Sicht des Gesellschafters, dass die Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft beschränkt ist und dass diese Beschränkung auch im Streitfall vor Gericht Bestand hat. Sofern im Ausland aber keine eigene Geschäftstätigkeit entfaltet wird, ist dies nicht bei allen ausländischen Gesellschaften der Fall. Lediglich bei Gesellschaften aus der EU und den USA ist dies definitiv gewährleistet. Bei anderen Gesellschaften stellt die Rechtsprechung auf den tatsächlichen Sitz der Verwaltung ab. Dieser ist typischerweise Deutschland. Dies führt meist dazu, dass die Gesellschaft nicht anerkannt wird und insbesondere die Haftungsbeschränkung wegfällt.

Mit der "Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)" stellt auch das deutsche Recht eine Rechtsform zur Verfügung, bei der die Haftungsbeschränkung nicht mehr von der Einzahlung eines Mindeststammkapitals von € 12.500 abhängt. Eine Unternehmergesellschaft kann schon mit einem Stammkapital von nur € 1,00 gegründet werden. Die Kosten hierfür sind extrem überschaubar, und die Eintragungszeiten bei deutschen Handelsregistern auch sehr kurz (teilweise nur eine Woche). Insofern spricht eigentlich nicht mehr viel für eine Limited.

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3. Tätigkeit des Notars

Der Notar spielt bei der Gründung ausländischer Gesellschaften keien Rolle. Lediglich bei der Anmeldung einer Zweigniederlassung zum deutschen Handelsregister kann der Notar behilflich sein. Hier ist zu beachten, dass üblicherweise eine umfassende Dokumentation über das Bestehen und die Vertretungsverhältnisse der Gesellschaft vorgelegt werden muss. Diese Dokumentation muss vom ausländischen Handelsregister oder einem ausländischen Notar stammen. Die Dokumente müssen ferner typischerweise ins Deutsche übersetzt werden. Trotzdem kommt es im Einzelfall immer wieder vor, dass das deutsche Handelsregister ergänzende oder aktuellere Unterlagen fordet. Das Verfahren bei Eintragungen oder Änderungen ist daher normalerweise recht umständlich.

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