Notar
Dr. Christian Pelz LLM
in Krefeld-Uerdingen

Verzeichnis: unternehmen
Datei: ag.php

Aktiengesellschaft

  1. Allgemeines
  2. Gründung
  3. Spätere Veränderungen
  4. Europäische Aktiengesellschaft (SE)

1. Allgemeines

Eine Aktiengesellschaft (oder kurz "AG") ist traditionell für große Unternehmen geeignet. Viele große Unternehmen sind als Aktiengesellschaften organisiert. Eine Aktiengesellschaft kann an der Börse notiert werden und so leichter Fremdkapital aufnehmen. Aktiengesellschaften genießen deshalb ein höheres Ansehen als eine GmbH.

Nachteil der Aktiengesellschaft ist der wesentlich höhere Verwaltungsaufwand sowie die geringere Flexibilität bei der Satzungsgestaltung. Bei einer GmbH können viele gesetzliche Regeln durch den Gesellschaftsvertrag abgeändert werden. Dadurch kann eine GmbH optimal an die Gesellschafter angepasst werden. Bei einer AG ist dies nur dann möglich, wenn das Gesetz es ausdrücklich zulässt. Deshalb sind die meisten Vorschriften zwingend: Die Satzung kann nicht davon abweichen. Für sog. "kleine Aktiengesellschaften" gibt es zwar Erleichterungen, die aber längst nicht so weit gehen wie bei einer GmbH.

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2. Gründung

Die Mindestanzahl von Gründern bei einer AG ist mittlerweile abgeschafft. Eine AG kann durch eine einzelne Person gegründet werden. Allerdings muss eine AG einen Vorstand und einen Aufsichtsrat haben. Die Mindestgröße für den Aufsichtsrat beträgt 3 Personen. Diese dürfen nicht im Vorstand sein. Insofern benötigt der angehende Gründer mindestens 4 Personen, die diese Funktionen und die damit verbundene Verantwortung in der AG übernehmen.

Die Gründung wird vom Notar beurkundet. Dieser erarbeitet häufig auch die Satzung der AG und regelt die übrigen Gründungsformalitäten. Dazu gehören z.B. der Entwurf der ersten Aufsichtsratsbeschlüsse, das Anfordern der Bankbestätigung über die Einzahlung oder die externe Gründungsprüfung, wenn Aktionäre zum Vorstand oder Aufsichtsrat der neuen AG gehören sollen.

Das Grundkapital beträgt bei der AG mindestens € 50.000,00. Bei der Gründung muss mindestens ein Viertel hiervon, also € 12.500,00, eingezahlt werden. Soll das Grundkapital durch Sachleistungen erbracht werden, so müssen diese vollständig erbracht werden.

Wenn alle Unterlagen vorliegen und das Grundkapital eingezahlt ist, reicht der Notar die Anmeldung beim Handelsregister ein. Die neue AG wird eingetragen und ist damit endgültig entstanden.

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3. Spätere Veränderungen

Die Verwaltung der AG ist typischerweise aufwendiger als die der GmbH. Dies ergibt sich zum einen daraus, dass die gesetzlichen Regelungen nicht so flexibel sind. Zum anderen ergibt sich dies aus dem zwingenden Aufsichtsrat der AG. Dadurch stellen sich viele Gesellschafter und Aufsichtsräte häufig die Frage, ob nun die Aktionäre (also die Hauptversammlung) oder der Aufsichtsrat für eine Veränderung zuständig ist.

Ist die Hauptversammlung zuständig, muss diese auch bei einer sog. kleinen AG häufig beurkundet werden, insbesondere, wenn die Satzung geändert werden soll. Auch das Prozedere bei Kapitalveränderungen ist wesentlich komplizierter als bei der GmbH.

Wegen dieser Nachteile ist die AG für viele Kleinunternehmer nicht geeignet

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4. Europäische Aktiengesellschaft (SE)

Mittlerweile gibt es eine europäische Variante der Aktiengesellschaft die "Europäische Aktiengesellschaft" oder kurz SE (was für "Societas Europaea" steht). Diese Gesellschaft hat innerhalb der EU einige Vorteile. So kann sie z.B. ihren Sitz innerhalb der EU relativ einfach verlegen und tritt innerhalb der gesamten EU als einheitliche Gesellschaft auf. Die Notwendigkeit, für verschiedene Länder einzelne Tochtergesellschaften in der Rechtsform des jeweiligen Landes zu haben kann entfallen.

Die Gründung einer SE ist jedoch nur eingeschränkt möglich. Insbesondere muss ein grenzüberschreitender Bezug vorhanden sein (z.B. eine ausländische Tochtergesellschaft). Die Gründung ist auch ausgesprochen langwierig, mühsam und teuer.

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